Decelith-Schallplatten
Tonstudio Serge Schmid 3550 Langnau
Kein Musiklabel:
Decelith war kein Schallplattenlabel, sondern der Markenname für das thermoplastische PVC-Material und die daraus gefertigten Rohlinge
zur Eigenaufnahme.
Verwendungszweck:
Sie dienten als bespielbare Rohplatten für den Sofort- oder Heim-Mitschnitt mittels eines speziellen Schneidegeräts.
Einsatzbereiche:
Der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG) für Archivaufnahmen oder die „Tönende Zeitung
Die Wehrmacht (bekannt als „Sprechende Feldpost“ für Grüße von und an Soldaten an der Front).
Formate & Technik:
Erhältlich in Größen von ca. 20, 25 und 30 Zentimetern.
Die Aufnahme lief meist bei 78 Umdrehungen pro Minute (U/min).Eine Besonderheit vieler früher Schnitte:
Die Aufnahme startete oft in der Plattenmitte und lief nach außen, weshalb das Abspielen auf modernen
Plattenspielern technisch herausfordernd sein kann.
Materialprobleme:
Historische Decelith-Platten sind heute oft chemisch instabil, da sich der Weichmacher im Laufe der Jahrzehnte
verflüchtigt und die Platten spröde werden oder Beläge bilden können.
Die fachgerechte Digitalisierung von historischen Decelith-Platten erfordert extreme Vorsicht, da das Material (frühes PVC)
durch den Verlust von Weichmachern über die Jahrzehnte hochgradig spröde und empfindlich geworden ist.
Zustandsanalyse und Vorbereitung
Sichtprüfung: Untersuchen Sie die Platte auf Verformungen, Risse oder weisse, pulverförmige Beläge (ausgetretene Weichmacher/Zusatzstoffe).
Vorsicht bei mechanischer Reinigung: Decelith-Oberflächen sind extrem weich und kratzempfindlich. Staub darf nur mit einem
sehr weichen, antistatischen Pinsel oder durch vorsichtiges Abblasen (z. B. mit einem Blasebalg aus der Fotografie) entfernt werden.
Keine aggressiven Lösungsmittel: Verwenden Sie niemals Alkohol, Ethanol oder scharfe Reiniger. Bei starker Verschmutzung hilft
allenfalls destilliertes Wasser mit einem winzigen Tropfen Netzmittel (ohne Reiben!).
Die Wahl des richtigen Tonabnehmers (Wichtig!)
Keine modernen Mikrorillennadeln: Nutzen Sie auf keinen Fall eine normale Plattennadel für moderne Vinyl-LPs (ca. 15 µm). Diese schneidet
wie ein Pflug durch die breiten Rillen und zerstört die Aufnahme sofort. Verwendung von Schellack-Nadeln (Normalrille): Da Decelith-Platten
meist mit Nadeln für 78er-Schellackplatten geschnitten wurden, benötigen Sie Normalrillen-Abtastnadeln. Variable Nadelverrundung: Da die
Rillen von Selbstaufnahmegeräten oft nicht standardisiert waren, arbeiten Profis mit verschiedenen Nadelstärken (z. B. zwischen 60 µm und
90 µm), um den Bereich der Rille abzutasten, der am wenigsten abgenutzt oder beschädigt ist.
Technische Anpassung des Plattenspielers
Drehrichtung und Abspielrichtung prüfen: Viele Decelith-Schnitte wurden von innen nach aussen aufgezeichnet. Ein moderner Tonarm zieht
jedoch nach innen (Antiskating). Für die Digitalisierung muss das Antiskating oft komplett ausgeschaltet oder das System mechanisch so
angepasst werden, dass die Nadel der Rille stabil nach aussen folgen kann.
Auflagekraft: Die Auflagekraft muss so gering wie möglich eingestellt werden, um das weiche Material zu schonen, aber hoch genug sein,
damit die Nadel nicht springt.
Geschwindigkeit: Meistens sind 78 U/min korrekt. Falls Ihr Plattenspieler diese Geschwindigkeit nicht exakt beherrscht, kann die Platte
auch mit 45 U/min digitalisiert und die Geschwindigkeit später verlustfrei in einer Audiosoftware hochgerechnet werden.
Software-Restauration: Nutzen Sie Audio-Restaurationssoftware (wie iZotope RX), um Knackser, Rauschen und Rumpeln
vorsichtig herauszufiltern. Bewahren Sie das rohe Original (Raw-Audio) immer als Master-Kopie auf.




Selbstaufnahme Label - Decelith
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